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Montagspalaver 27. März 2017

Thema: Ende und Ewigkeit


Die Todesanzeigen in der Zeitung zeigen eine Vielfalt von Vorstellungen, was nach dem Tode uns erwarten könnte: ein Wiedersehen mit unseren Lieben, ein Weiterleben in den Gedanken der Lebenden, ein Paradies, das Aufgehen in einem Gesamten, eine Existenz als Geist (Ahnen), der in der Welt bleibt und sie beeinflusst, aber auch einfach ein Ende, das Nichts.

Alle Menschen haben dieselben Fragen an die Existenz, die Antworten jedoch sind unterschiedlich.

An unserem Palaver nahm eine Archäologin und Mythenerzählerin teil, die uns von Orpheus und Eurydike erzählte und von der berührenden Begegnung Odysseus’ mit seiner Mutter in der Unterwelt (nachzulesen auf diesem LINK). Orte eines Schattenlebens – nicht fassbar und doch da.

Können wir uns die Vergänglichkeit überhaupt vorstellen? Ist diese Vorstellung überhaupt in Worten fassbar? –  Kunst könnte ein Mittel sein, das Unvorstellbare auszudrücken. Und, so schloss eine Teilnehmerin frei nach Umberto Eco: „Was man theoretisch nicht erklären kann, das soll man erzählen.“

Zuhören, vergleichen, in die Tiefe gehen ohne Anspruch auf Lösungen, laut nachdenken ohne Kritik, sich gegenseitig beim Formulieren und Denken unterstützen – ohne sich zu kennen: das war das sechste Montagspalaver.

Montagspalaver 27. Februar 2017

Thema: Gewalt und Widerstand



Und wieder war die Tagespolitik Ausgangspunkt. Sie beschäftigt uns alle und durchdringt unsere Befindlichkeit. Gewalt und gewaltloser Widerstand: wir suchten in der Geschichte  und werweissten in der Gegenwart: was hindert Menschen am Widerstand gegen staatliche Gewalt? Wir sprachen über Schlag-Wörter, mit denen komplexe Sachverhalte zu einfachen politische Botschaften gebogen werden.  Wir sprachen über Wahrheit – und ob es eine objektive Wahrheit gibt – oder ob es nicht darum geht, zu erkennen, dass die eigene Wahrheit eben die eigene ist, und jede und jeder seine Wahrheit hat;  dass es darum geht, wenigsten einen gemeinsamen  – wenigstens kleinsten – Nenner zwischen diesen Wahrheiten zu finden, damit Kommunikation und somit Frieden möglich ist. Und einmal mehr fanden wir: Ja, Gewaltlosigkeit leben ist grossartig und erstrebenswert. Aber: wenn man selber in einem Machtverhältnis der Gewalt ausgeliefert ist, wie …?

Zuhören, vergleichen, in die Tiefe gehen ohne Anspruch auf Lösungen, laut nachdenken ohne Kritik, sich gegenseitig beim Formulieren und Denken unterstützen – ohne sich zu kennen: das war das fünfte Montagspalaver.

 

Montagspalaver 26. Januar 2017

Thema: Überwindung des Ohnmachtgefühls 

 

Von Trumps Einreisesperre für muslimische Menschen war, wo man auch dieser Tage hinkam, die Rede. So auch im Montagpalaver. Es war ein Schock – nicht, weil es schlimmer war, als andere Nachrichten und Bilder in der Tagespresse von Flüchtlingsströmen, Flüchtlingsschicksalen, von Toten und Trauernden, sondern weil diese Einreisesperre in ihrer undenkbaren Absurdität das Ohnmachtsgefühl verstärkte, das wir dem Geschehen in der Welt gegenüber verspüren können. So war denn auch die Frage: Was können wir dagegen tun? Amerika ist weit weg; aber was dort geschieht oder sonst wo auf der Welt, wirft seinen Schatten auch vor unsere Tür. Sind wir nicht gar zum Handeln verpflichtet?  Wir erinnerten uns an die Banalität des Bösen (Hannah Arendt) und wie schnell Mitschuld entstehen kann.

Wir, die in unseren Leben verhaftetet sind, können und wollen nicht alles liegen und stehen lassen, um irgendwo in der Welt helfen zu gehen (auch wenn wir uns vielleicht von diesem Gedanken angezogen fühlen). Was also können wir jetzt und hier tun? Wir sprachen über die Bedeutung des passiven Widerstandes, über Flüchtlingsarbeit hier, über aktive  Teilnahme an der Politik, (finanziellen) Unterstützung  von Aktivisten und PolitikerInnen, über Kommunikation der eigenen Meinung in Leserbriefen, in den social Media, im Freundes- und Bekanntenkreis. Wie überlegten uns, wie einzuschreiten ist, wenn Unrecht vor den eigenen Augen passiert. Das alles braucht Mut und ist nicht einfach. Wir diskutierten, dass Aggression nachhaltig nicht mit Aggression bekämpft werden kann (und u. U. auch zu gefährlich ist) und kamen zum Schluss, dass Aggression überrumpelt, ja weggeschmolzen werden kann, wenn ihr mit Empathie für Opfer und Täter und einer überraschenden Wendung entgegengetreten wird. Es sei hier von einem wunderschönen Beispiel einer Teilnehmerin berichtet: Auf der Heimfahrt von einem Chorwochenende sassen ein paar Frauen im Bus und fuhren irgendwo über Land. An einer Haltestelle stiegen junge Männer zu, die die Frauen verbal attackierten. Da begann dieser vielstimmige Frauenchor, seine Lieder  zu singen. Sang bis zur Endstation. Die jungen Männer überrascht und erstaunt setzten sich und hörten aufmerksam  zu. Einer sagte beim Aussteigen: „Ihr habt ein Lied aus meiner Heimat gesungen.“

Diese Geschichte versöhnte uns mit unserer Ohnmacht. Nein, wir müssen nicht nach Amerika oder sonst wohin reisen, wir können auch hier vor unserer Türe wirken und darauf vertrauen, dass aus dem von uns ausgesetzten Virus des Guten eine Epidemie entsteht. Die Chaostheorie besagt, dass kleinste Veränderungen der Anfangsbedingungen große Auswirkungen auf das gesamte System haben können. Schlagen wir mit unseren Flügeln wie die Schmetterlinge und ….

Zuhören, vergleichen, in die Tiefe gehen ohne Anspruch auf Lösungen, laut nachdenken ohne Kritik, sich gegenseitig beim Formulieren und Denken unterstützen – ohne sich zu kennen: das war das vierte Montagspalaver.

Montagspalaver 26. 12. 2016

Loyalität und Verantwortung

Was ist Loyalität? La loi, das Gesetzt. La loyauté, die Anständigkeit. Wem gegenüber bin ich bzw. muss ich loyal sein? Eingeforderte Loyalität als Machtinstrument. Loyalitätskonflikt. Ein schwieriges Thema, das bloss andiskutiert werden konnte, aber bei dem es nicht an Beispielen aus dem Leben der Anwesenden fehlte. Die Fragestellung verschob sich allmählich auf die Frage nach der Verantwortung, die man selber übernimmt – wenn man „loyal“ ist. Denn Loyalität schützt ja nicht vor eigener Verantwortung. Und mit all den Beispielen auch aus dem privaten Leben, aus den emotionalen Beziehungen, entstand die Frage: Wieviel Verantwortung kann ich für das emotionale Wohlergehen für andere übernehmen. Kann ich das überhaupt?
Es wird hoffentlich nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir über dieses Thema diskutieren: Diese Fragen stellen sich immer wieder und ganz neu: Wie oft gerät man unvorhergesehen in eine Situation, in der man vor einem (vermeintlichen) Loyalitätskonflikt steht oder sich verantwortlich fühlt?! Dann sich an bereits Besprochenes und Durchgedachtes zu erinnern und sich des Dilemmas bewusst zu werden, kann hilfreich sein.

Zuhören, vergleichen, in die Tiefe gehen ohne Anspruch auf Lösungen, laut nachdenken ohne Kritik, sich gegenseitig beim Formulieren und Denken unterstützen – ohne sich zu kennen: das war das zweite Montagspalaver.

Montagspalaver 28. 11. 2016

Thema:  Selbstvorwürfe & Co
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Immer wieder hören wir Forderungen, Vorwürfe und Klagen in Sätzen, die als Feststellungen, Vorschläge und Fragen gemeint waren. Wir suchen  die Schuld bei uns, wenn jemand sagt, es sei etwas schiefgelaufen.

Was hindert uns daran, das Gehörte ohne Bewertung aufzunehmen und nachzufragen, bis wir verstehen, was unser Gegenüber gemeint hat?  Und warum suchen wir nach Schuld?

Ein grosses Thema, das uns alle immer wieder umtreibt. Hier ein paar Voten: Es hat etwas mit Selbstwert zu tun, mit Selbst- und Fremdbewertung. Gar mit Vorurteilen gegen uns selber (z. B.: klar, sicher bin ich wieder schuld) und Vorurteilen gegenüber anderen (z. B.: von dieser Person kommen immer Vorwürfe); es hat mit Gewohnheit, Erziehung zu tun (z. B.: als Kind hat man vielleicht andere angehimmelt und sich selber für hässlich und doof gehalten; und heute, die alten Fotos betrachtend, sieht man, dass man ein reizendes Wesen war…). Nicht alle haben gelernt, sich selber zu mögen und sich an sich selber bedingungslos zu freuen. Das macht es schwierig, anderen vorurteilsfrei, offen und grosszügige zu begegnen und sich vorbehaltlos an ihnen zu freuen. Oft suchen wir nach Schuld bei uns – oder auch mal zur Entlastung nach Schuld bei anderen. Was aber ist Schuld? Handlung entsteht nicht aus dem Nichts, sondern wächst aus Umständen heraus und wird selber zum Umstand für nächstes Handeln. Was bringt da die Schuldfrage? (Wir sprachen nicht von moralischer Schuld, sondern von Fehlern!). Eines der Fazits war: Vorurteilsfreiheit und Grosszügigkeit zu üben: für den Anfang mal bei uns selber; das mit den anderen kommt von alleine. Jetzt  einfach mal anfangen, sich selber zu mögen, so wie man ist. Dann mal los!

Zuhören, vergleichen, in die Tiefe gehen ohne Anspruch auf Lösungen, laut nachdenken ohne Kritik, sich gegenseitig beim Formulieren und Denken unterstützen – ohne sich zu kennen: das war das zweite Montagspalaver.

Montagspalaver 31. 10. 2016

Thema: WUT

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Wie mit der eigenen Wut umgehen angesichts der politischen Geschehnisse in der Welt, der Ungerechtigkeiten und Unmenschlichkeiten. Diese Frage stellte ein Teilnehmer in die Runde. Das Phänomen kannten wir alle: zu viel Wut, die raus muss; zu wenig Wut, weil abgestumpft. Wir überlegten uns: Antennen einfahren, um sich zu schützen? Die Kraft der Wut nutzen und sie in konstruktive Handlungen fliessen lassen? Sich im Sport abreagieren, um keinen Schaden zu nehmen? Ist Wut überhaupt etwas Schlechtes? Können Emotionen überhaupt per se schlecht sein? Sind sie nicht alle wichtige Botschafter? Ist man aus ethischen Gründen zu Wut und damit zum Handeln verpflichtet? Und was, wenn wir die Wut einfach mal rausliessen – laut und heftig? Was bringt es wem? Wir fanden einige Antworten, stellten kühne Hypothesen auf, aber hatten auch neue Fragen.

Wut und persönliche Verletzung war ein nächstes Thema – Wut zum Beispiel am Arbeitsplatz. Wut, wenn man persönlich angegriffen wird; wenn man ausgeliefert ist und ohn-mächtig. Wir berieten uns bezüglich konkreter Fälle, und der Vergleich mit Situationen aus dem Alltag der Anwesenden war hilfreich.

Zuhören, vergleichen, in die Tiefe gehen ohne Anspruch auf Lösungen, laut nachdenken ohne Kritik, sich gegenseitig beim Formulieren und Denken unterstützen – ohne sich zu kennen: das war das erste Montagspalaver.